"Das ist unser Antrieb!"

Berlin – Elf Mannschaften, rund 250 Spieler und etwa 80 Mitarbeitende, die alle ein Ziel verfolgen: Fußballspiele gewinnen. Doch genau dieses Vorhaben ist in 2020 zur Seltenheit geworden. Aufgrund der Corona-Pandemie rollte das runde Leder in der Hertha BSC Fußball-Akademie nur noch vereinzelt. Fortan mussten sich die Verantwortlichen um Akademie-Leiter Benjamin Weber mit zahlreichen Dingen beschäftigen, die den Ausfall des Trainings- und Spielbetriebs bestmöglich auffangen sollen – immer vor dem Hintergrund der Verantwortung gegenüber zahlreichen jungen Talenten, die einfach nur Fußball spielen wollen. "Den richtigen Umgang mit dieser Situation zu finden, war die erste große Herausforderung in dieser Zeit", gesteht der 40-jährige Weber ein. Wir haben uns mit dem zweifachen Familienvater zum Ausblick auf 2021 getroffen. 

Benny, hast du Befürchtungen, dass einige Jungs das Interesse, den Spaß und die Motivation am Fußball verlieren? Wenn in so einem langen Zeitraum nicht gespielt wird.
Diese Frage können wir zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht wirklich beantworten. Unsere Trainer spiegeln uns aber – und das ist auch unsere Wahrnehmung – wider, dass die Begeisterung bei den Jungs, wenn sie auf dem Platz stehen, nach wie vor hoch ist. Was wir gemerkt haben, ist, dass es nach dem ersten Lockdown etwas gedauert hat, bis die Jungs wieder an ihr Level rangekommen sind, da sie zu der Zeit ja wirklich gar nichts machen durften. Zum aktuellen Zeitpunkt – abgesehen von der kurzen Weihnachtspause – darf ein Großteil unserer Spieler trainieren, von daher ist dies ein großer Unterschied zum Frühjahr. Aber die Folgen aus dieser wettkampffreien Zeit können wir aktuell noch nicht absehen, Bedenken habe ich nur bei den älteren Jahrgängen und vor allem bei der U19, da sie im letzten Jugendjahr sind. Die Konsequenzen werden wir aber auch erst später merken. Diesen Jungs fehlt vor dem Sprung in den Erwachsenenbereich jetzt vor allem der Wettkampf. Auf diese Spieler müssen wir ein Auge haben und auch mit Rücksicht agieren, wenn es dann wieder in den Spielbetrieb geht. In den jüngeren Jahrgängen können die Akteure hingegen beispielsweis im fünf gegen fünf oder in Wettbewerbsformen die fehlenden Spiele besser auffangen. In der U13 spielt Michael Dober mit seinen Jungs eine Art Champions League – in den jüngeren Jahrgängen ist die Begeisterungsfähigkeit selbstverständlich eine ganz andere.

Eine Frage, die immer wieder gestellt wird: Wie stehen die Chancen, wann können unsere Nachwuchsmannschaften wieder spielen? Wie sieht euer Austausch mit den Verbänden aus? 
Der Austausch zu den Verbänden aber auch zur Senatsverwaltung ist total eng. Wann es dann tatsächlich wieder im Spielbetrieb weitergeht, hängt von den politischen Vorgaben ab, das ist wirklich ein Blick in die Glaskugel. Bei den A- und B-Junioren ist es etwas entspannter, da in den beiden Bundesligen aufgrund der Pandemie in dieser Saison in einer einfachen Runde gespielt wird, ohne Hin- und Rückrunde. So ist in diesen beiden Jahrgängen (U19 und U17, Anm. d. Red.)die Durchführung der Spielzeit auch noch zu einem späteren Zeitpunkt möglich. Allgemein würde ich es mal als große Hoffnung deklarieren, dass wir im März 2021 wieder spielen dürfen. Aber wie gesagt: das ist meine persönliche Hoffnung.

Zu Beginn des neuen Jahres stehen normalerweise Planungen für die nächste Saison an. Sind diese in der aktuellen Situation überhaupt möglich?
Die Planungen für die kommende Spielzeit beschäftigen uns natürlich auch in der jetzigen Lage. Wir müssen sie unter den aktuellen Umständen durchführen – und das machen wir auch. Gerade was unsere Talente betrifft, haben wir mit unserem Karriere-Coach Andreas 'Zecke' Neuendorf jemanden, der fast täglich mit dem Trainerteam der Profis im Austausch steht. Aus diesem Grund hat 'Zecke' auf die Jungs, die zurzeit im Übergang zur Bundesliga-Mannschaft stehen, einen besonderen Blick. Das gehört zu unseren Kernaufgaben. Da freut es uns natürlich extrem, dass Bruno Labbadia auch in so einer schwierigen Zeit einem Youngster wie Márton Dárdai sein Bundesliga-Debüt ermöglicht. Das ist unser Antrieb, dass wir Jungs ausbilden, die den Sprung in den Profi-Fußball schaffen können – am besten natürlich bei Hertha BSC.

Du nimmst seit vergangenen Oktober am Lehrgang 'Management im Profifußball' von DFB und DFL teil. Wie sind deine ersten Eindrücke? Kann trotz Corona alles wie geplant stattfinden? 
Die ersten Eindrücke sind total positiv. Wir hatten im Oktober einen Auftaktworkshop, der noch von Angesicht zu Angesicht stattfand. Das ist eine super spannende Gruppe mit verschiedenen Charakteren, die alle in unterschiedlichen Rollen in Vereinen tätig sind. Ein aktiver Profi mit Christian Gentner (1. FC Union, Anm. d. Red.) ist auch dabei. Der Workshop war sowas von kurzweilig, weil wir so schnell in einem Arbeitsrhythmus zu praxisnahen Themen drin waren. Seitdem läuft alles online, das funktioniert trotzdem gut. Es gibt regelmäßig Aufgaben, aktuell mit dem Schwerpunkt Management, die wir in der Regel wöchentlich erledigen müssen. Für mich ist es eine Auszeichnung, bei diesem Premieren-Kurs dabei sein zu dürfen. Der intensive Austausch über Themenfelder aus den Bereichen Management, Sport, Scouting, Vermarktung oder Recht ist einzigartig und macht unheimlich viel Spaß. Ich freue mich sehr, wenn es im Januar weitergeht.

Was wünscht du dir für 2021? Für die Hertha BSC Fußball-Akademie aber auch persönlich.
Über allem steht selbstverständlich die Gesundheit! Das ist unser wichtigstes Gut. Sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld sollen alle Personen gesund bleiben. Natürlich wünsche ich mir, dass wir der Sache, die wir alle lieben, schnellstmöglich wieder nachgehen können: Fußballspiele bestreiten! Die Jungs selbst auf dem Platz, die Trainer an der Seitenlinie und wir Verantwortliche von der Tribüne aus. Das ist ja genau das, was mich antreibt: Wege von jungen Sportlern begleiten, die sich zwischen Schulabschluss und möglicher Profi-Laufbahn befinden. Das ist mein Antrieb – und diesen möchte ich schnellstmöglich wieder ausleben. Darüber hinaus wünsche ich allen, dass sie nun ein paar ruhige, besinnliche Tage im Kreise ihrer Liebsten verbringen können und dass in 2021 ein Stück weit Normalität zurückkehrt. Denn eines muss ich abschließend sagen: 2020 war kein einfaches Jahr mit vielen neuen Regelungen auf der einen Seite, aber darüber hinaus auch noch für die Spieler da zu sein und sie zu unterstützen. Da gilt mein größter und herzlichster Dank allen Mitarbeitenden sowie Helferinnen und Helfern der Hertha BSC Fußball-Akademie. Ein großes Kompliment an alle!

Hier lest ihr den ersten Teil des Interviews, in dem Benjamin Weber einen detailierten Jahresrückblick auf 2020 gegeben hat.