"Ein starkes Gefühl"

Berlin – Zu den 16 besten Spielern eines renommierten Wettbewerbes zu gehören und sich um die deutsche Meisterschaft im Videospiel 'FIFA 21' duellieren zu dürfen, ist für einen eSportler eine hohe Auszeichnung und das Resultat von hartem Training, guter Performance und der nötigen mentalen Stärke. All dies warf Christoph 'BSC Chrissi' Strietzel in die Waagschale, um sich gegen seine Konkurrenten zu behaupten. „Das fühlt sich schon sehr geil an“, bekennt der gebürtige Berliner im Gespräch. „Alle wollten in dieses Finale und sich durchsetzen, dass es mir dann gelungen ist, dort zu bestehen, ist ein sehr starkes Gefühl!“ Vor dem Turnier, das vom 4. bis zum 6. Juni ausgetragen wird, spricht Strietzel über seinen Weg ins Endspiel, besondere Herausforderungen und die Vorbereitung auf das Finale.

Chrissi, erst einmal herzlichen Glückwunsch zum Einstieg ins VBL Grand Final! Wie fühlt es sich an, zu den 16 besten Spielern auf der Xbox zu gehören und jetzt die Chance auf die deutsche Meisterschaft zu haben?
Strietzel: Vielen Dank! Das fühlt sich schon sehr geil an, vor allem, weil es angesichts einer harten Konkurrenz mit 64 Spielern nicht unbedingt zu erwarten war. Alle wollten in dieses Finale und sich durchsetzen, dass es mir dann gelungen ist, dort zu bestehen, ist ein sehr starkes Gefühl!

Du sprichst es schon an – dein Start ins Turnier war kompliziert, dann hast du dich aber von Spiel zu Spiel gesteigert und konntest so am Ende ins Finale einziehen. Wie erklärst du dir diese klare Leistungssteigerung im Verlauf des Wettbewerbs? Hast du währenddessen etwas geändert?
Strietzel: Der Anfang war schwer, in der ersten Runde musste ich direkt ins Elfmeterschießen und mich dort geschlagen geben, damit hatte ich in Runde zwei auch noch zu kämpfen. Als ich dann aber fast schon am Abgrund stand und mir nur noch eine Niederlage leisten durfte, habe ich mir überlegt, etwas zu ändern. Ich habe die Formation gewechselt, was im laufenden Wettbewerb wirklich keine alltägliche Maßnahme bei mir ist – aber in dieser Situation hat mir das geholfen, die weiteren Spiele erfolgreich zu gestalten und am Ende weiterzukommen!

In der K.o.-Phase hast du gegen 'BeneCR7x' vom VfL Wolfsburg sowie 'B04 Dubzje' von Bayer Leverkusen gewonnen. Wie hast du diese beiden Partien erlebt?
Strietzel: Es waren zwei sehr unterschiedliche Begegnungen. Gegen Bene habe ich im Hinspiel (es gibt im K.o.-Modus stets Hin- und Rückspiel, Anm. d. Red.) bis zur 80. Minute mit 2:0 geführt, dann aber in den letzten zehn Minuten noch den Ausgleich zugelassen. Das zweite Duell war sehr kräftezehrend, ich habe kurz vor Schluss ausgeglichen und in der Verlängerung schließlich gewonnen. Das war insgesamt schon sehr spannend und dramatisch (schmunzelt). Gegen Dubzje habe ich in im ersten Spiel einer Halbzeit vier Tore geschossen, in Überzahl dann aber noch zwei große Chancen aus- und den Ehrentreffer zum 4:1-Endstand zugelassen. In der zweiten Partie hatte ich dann Probleme, kam durch das 1:3 aber zum Gesamtsieg und so auch ins Finale, auch wenn es noch einmal echt eng wurde.

Kannst du dir im Nachhinein erklären, wie es in diesem Rückspiel noch so dramatisch werden konnte?
Strietzel: Ich hatte die gesamte Zeit im Hinterkopf, wie unnötig es gewesen wäre, den Gegner nochmal so rankommen zu lassen und dann eventuell in die Verlängerung zu müssen. Zuvor hätte ich schon den Sack zu machen und mit 6 oder gar 7:0 führen können. Das mir das nicht gelang, zehrte doch an den Nerven – gut, dass ich es am Ende noch konzentriert zu Ende gespielt und trotzdem geschafft habe.

Jetzt also: Finale! Wie wird deine Vorbereitung auf das VBL Grand Final aussehen?
Strietzel: In erster Linie werde ich die Änderungen, die ich im Turnier vorgenommen habe, weiter trainieren. Sie waren der Schlüssel! Das neue System und der neue Spielstil passen aktuell auch am besten zu mir. Nun muss ich an beidem weiter fleißig arbeiten, sowohl mit externen Konkurrenten als auch internen Kollegen, wie beispielsweise meinem Teampartner Eren.

Was würdest du als Erstes tun, wenn du am Ende die Trophäe gewinnst?
Strietzel: Das wäre natürlich ein absoluter Traum, aber über so etwas denke ich aktuell nicht nach. Ich muss mich erst einmal in den Wettbewerb hineinarbeiten – sollte ich den Titel am Ende wirklich in der Hand haben, können wir gerne nochmal sprechen… (lacht).