Leistungsdruck: Chance oder psychischer Hemmschuh?

Einmal für unsere Blau-Weißen im ausverkauften Olympiastadion auflaufen. Davon träumt wohl jedes Talent in unserer Fußball-Akademie. Doch die Plätze im Profikader sind genauso begehrt wie begrenzt. Der Leistungsdruck unter den Nachwuchskickern ist groß – für manchen zu groß? Unser Betreuerteam geht dieses Thema mit Fingerspitzengefühl an.

Damit ihnen irgendwann der Sprung aus dem Nachwuchsteam in unseren Profikader gelingt, müssen die blau-weißen Talente Tag für Tag starke Leistungen auf den Platz bringen. Das erfordert hartes Training und einen unbändigen Willen. Was viele bei dieser Aufzählung allerdings vergessen: Ohne psychische und mentale Gesundheit gelingt es selbst den talentiertesten Spielern nicht, ihre Höchstleistung regelmäßig abzurufen.

Leistungsdruck – ob von außen oder selbst auferlegt – kann das Wohlbefinden und damit auch die Leistungsfähigkeit positiv wie negativ beeinflussen. Aus diesem Grund wird diesem Thema bei der Ausbildung in unserer Fußball-Akademie eine wichtige Rolle eingeräumt, wie Selina Koch verrät. Die Sportpsychologin ist seit August 2021 fester Teil unseres Funktionsteams.

Selina Koch verfolgt ein Spiel der Hertha BSC U23

Selina Koch verfolgt ein Spiel der Hertha BSC U23

Negativer Leistungsdruck: Arbeiten, um anderen zu gefallen

Im Leistungssport und besonders im Fußball gehört Leistungsdruck zum Alltag. Richtig dosiert fördert er die charakterliche Entwicklung und treibt Athletinnen und Athleten zu besseren Leistungen an. Allerdings gehen junge Talente unterschiedlich souverän mit Leistungsdruck um. Besonders herausfordernd ist, dass im Leistungssport das Selbstvertrauen sehr stark an die Anerkennung von außen gekoppelt ist. Läuft es einmal nicht so gut, sitzen wir nur auf der Ersatzbank, weil der Konkurrent auf der Position den Vorzug erhält, oder wirft uns eine Verletzung zurück, kommt schnell die Frage auf: „Welchen Wert habe ich noch für die Mannschaft?“ Dadurch kann das Selbstbewusstsein ganz schön ins Wanken geraten.

In extremen Fällen so stark, dass es Betroffenen merklich schlechter geht und die Leistungen folgerichtig weiter nachlassen. Es scheint einfach nichts mehr zu gelingen, während der Leistungsdruck weiterwächst – ein Teufelskreis. Selina Koch und das gesamte Funktionsteam unseres Vereins sind für diese Fälle geschult. „In solchen Situationen müssen wir genau hinsehen und überlegen, wie wir die Spieler bestmöglich unterstützen und begleiten können“, beschreibt die Psychologin die gemeinsame Herangehensweise.

Selbstbewusstsein abseits von sportlichen Leistungen aufbauen

Damit es gar nicht erst so weit kommt, setzen die Betreuerinnen und Betreuer der blau-weißen Nachwuchskicker auf präventive Maßnahmen, die das Selbstbewusstsein unserer jungen Spieler stärken – ganz unabhängig von den sportlichen Leistungen. Hilfe zur Selbsthilfe ist hier das Stichwort: „Wir regen die Jungs zu Selbstreflexion an, geben ihnen Tools an die Hand, um mehr Selbstbewusstsein aufzubauen und aktiv Verantwortung für sich selbst und ihr Leben zu übernehmen. Dafür binden wir sie in viele Entscheidungen mit ein“, gibt Koch einen Einblick in diese Arbeit.

Professionelle Unterstützung in unserer Fußball-Akademie

Im täglichen Umgang, aber auch in Gruppensessions oder Eins-zu-eins-Gesprächen, geht es dann darum, dass die jungen Spieler persönliche Krisen als Möglichkeit der Weiterentwicklung erkennen und nicht resignieren. Die Teilnehmenden erarbeiten bei solchen Maßnahmen vorbeugend und gezielt mehrere Selbstwertsäulen: Sollte aus irgendwelchen Gründen eine von diesen wegbrechen, sind noch weitere Ressourcen übrig, um sich wertvoll zu fühlen. Denn es bleibt immer das Gefühl, weiterhin etwas zu leisten und Sinnstiftendes zu tun ­– auch wenn es mal nicht im sportlichen Bereich ist.

Außerdem geben unsere Psychologin und das gesamte Team hinter dem Team den Jungkickern Methoden wie Achtsamkeitsübungen an die Hand. Diese helfen dabei, Stress besser zu verarbeiten und die eigenen Bedürfnisse und Gefühle wahrzunehmen. Dadurch können unsere Jungs diese in Einklang mit den Erwartungen, Werten und Normen ihrer Umgebung bringen – ideal, um einen gesunden Umgang mit Leistungsdruck zu entwickeln.

Lerne hier fünf einfache Methoden für den Einstieg kennen.


Leistungsdruck begegnet uns allen

Obwohl Leistungsdruck insbesondere mit Leistungssport in Verbindung gebracht wird, ist er weit darüber hinaus für viele Menschen im Alltag verbreitet. Dabei macht es keinen Unterschied, ob sie viel Zeit in Fußball-Akademien verbringen oder „ganz normal“ im familiären Umfeld aufwachsen. Denn Druck entsteht nicht nur bei wichtigen Spielen in der Junioren-Bundesliga, sondern auch bei Klausuren in der Schule, oder generell beim Erwachsenwerden. Auch hier können für manche Menschen einfache Achtsamkeitsübungen ein Weg sein, besser mit den eigenen Erwartungen und denen von außen umzugehen.

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