Trainier dich Hertha!

Die Hertha BSC Fußball-Akademie versteht sich als eine Talentschmiede. In den vergangenen Jahren konnten immer mehr Spieler aus den eigenen Reihen ihre Spielerkarriere im Profibereich der Blau-Weißen fortsetzen. Dahinter steht ein ganzheitliches Konzept, bei welchem das Fußballtraining nicht der einzige Bestandteil ist. Auch die richtige Ernährung und der sportwissenschaftlich fundierte Aufbau von jungen Spielern spielen eine große Rolle. mach-dich-hertha.de hat mit Claudia Wallenta, der Athletiktrainerin von Herthas U23 gesprochen und gefragt, welchen Stellenwert das Athletiktraining in der Ausbildung zum Hertha-Profi einnimmt und warum das Alter im Trainingskonzept eine große Rolle spielt. 

Claudia, du bist Athletiktrainerin in der Fußballakademie von Hertha BSC. Was ist das Athletiktraining und was macht ihr da?

Beim Athletiktraining wird viel an Laufschule, Laufbild, Laufkoordination, Rhythmisierung, Orientierung und Gleichgewicht gearbeitet. Das Ziel ist es diese Fähigkeiten miteinander in Verbindung zu setzen – mit und ohne Ball. Der Umfang des Athletiktrainings wird von Jahr zu Jahr gesteigert. Das bedeutet von der U 9 bis zur U 12 ist es mehr ein Koordinationstraining, das einmal die Woche für eine halbe Stunde stattfindet. Zusätzlich absolvieren die Nachwuchsspieler bis zur U12 einmal die Woche eine Einheit Kinderturnen, um die allgemeine sportliche Motorik auszubilden. Das bedeutet: Zu Beginn ist das Athletiktraining gar nicht spezifisch, sondern allgemein auf die Verbesserung der koordinativen Fähigkeiten ausgerichtet. Manchmal ist die Athletikkomponente eine eigenständige Trainingseinheit, manchmal ist sie aber auch ein Bestandteil einer größeren Trainingseinheit und es geht im Anschluss noch auf den Platz. Fernab vom Fußball sollen hier vor allem allgemeine Bewegungsmuster ausgebildet und weiter geschult werden. 

Ist eine gute Ausbildung der allgemeinen Athletik eine Grundvoraussetzung für spätere Profifußballer, für welche die Basis früh gelegt werden muss?

Oh ja, gerade was das Laufbild und die Rhythmisierung angeht müssen wir im goldenen Lernalter, also gerade bei den Jungs die noch im Kleinfeld spielen, diese wichtigen Grundlagen legen. Die goldenen Lernjahre beginnen mit circa sechs Jahren und gehen bis zur U12 oder U13. Wenn in dieser Zeit kontinuierlich und gut an der Koordination gearbeitet wird, dann sieht man das später deutlich. Dann fällt beispielsweise das Erlernen von komplexen Bewegungsabläufen, Übungen oder Techniken leichter.

Verändert sich der Anspruch an das Athletiktraining mit dem zunehmenden Alter?

Ja, definitiv. Ab der U12/U13 wird alles deutlich individueller und spezifischer. Da kommen dann noch Agilität und Frequenzschnelligkeit hinzu. Ab der U13 wird das Kinderturnen dann durch Parcours ersetzt. Koordination spielt jedoch weiterhin eine wichtige Rolle, allerdings werden dann schnelle Füße immer wichtiger. Auch der Bereich Stabilisation fließt dann deutlich eigenständiger in das Training mit ein. Wichtig ist, dass in allen Altersklassen klar ist: Eine gut ausgebildete allgemeine Athletik, eine gute Koordination, eine gute Orientierungsfähigkeit und eine gute Gleichgewichtsfähigkeit sind wichtige Grundvoraussetzungen für jeden Leistungsfußballer.

Wie sieht es in der Pubertät mit der Leistungsfähigkeit aus?

Es ist unterschiedlich. Relevant ist aber vor allem die Zeit um den Hauptwachstumsschub. Deswegen führen wir bei uns eine Wachstumsprognose ab der U12 bis zur U15 durch. Wir messen dafür die Abmaße vom Oberkörper sowie das Körpergewicht. Das IAT(Institut für Angewandte Trainingswissenschaft) in Leipzig berechnet aus diesen Daten, wann der maximale Wachstumsschub erfolgen wird. 

Warum ist es wichtig zu wissen, wann die Spieler am meisten wachsen?

In der Regel sagt man, dass die Jugendlichen zu Zeiten des maximalen Wachstumsschub verletzungsanfälliger sind. Insbesondere, wenn sie intensiven Belastungen ausgesetzt sind und vermehrt Trainingseinheiten oder Spiele stattfinden. Wenn dann vielleicht noch Stress in der Schule hinzukommt, kann es schneller zu Verletzungen kommen. Wir sehen in dieser Zeit nicht immer einen Leistungsabfall, aber wir versuchen unsere Trainer dafür zu sensibilisieren. Ein halbes Jahr um den Zeitpunkt des maximalen Wachstumsschubes herum, sollten die Spieler ihr Training anpassen. 

Macht ihr auch Krafttraining?

Selbstverständlich. In der Regel haben die Spieler zwischen 13 und 14 Jahren ihren maximalen Wachstumsschub. Danach kann mit Krafttraining begonnen werden. Bei uns beginnen wir erst ab der U16 mit dem Einsatz von Zusatzgewicht, allerdings nur dann, wenn bereits die richtige Technik verinnerlicht wurde. Wenn die Spieler keine Technik haben oder ihnen die Stabilität fehlt, brauchen wir natürlich auch noch nicht mit Zusatzgewicht anfangen. 

 

Muss ein guter Fußballer in allen Kraftarten fit sein?

Der Fußball ist von intervallartigen, schnellkräftigen Belastungsspitzen geprägt. Alle drei bis fünf Sekunden werden im Mittel verschiedene vielfach hochexplosive Kurzzeitaktionen wie Sprints, Sprünge, Schüsse und Zweikampfsituationen durchgeführt. Die Kraftfähigkeit spielt demnach eine große Rolle und muss entsprechend ausgebildet werden. Je nach Saisonzeitpunkt verschieben sich die Schwerpunkte hinsichtlich des Krafttraining. Beispielsweise erfolgt zu Beginn der Vorbereitungszeit vermehrt das Training der Kraftausdauer. Innerhalb der Saison geht es eher in Richtung Maximal- & Schnellkrafttraining. Oft wird dann auch beides kombiniert mit Hilfe des Complex-Trainings oder einer modifizierten French Contrast-Methode. Da das Fußballspiel sehr komplex ist, müssen wir unsere Sportler auch auf die Belastungen anpassen und entsprechend trainieren.

Wie sieht denn eine normale Trainingswoche an der Akademie aus?

Einmal die Woche haben wir Krafttraining. Ansonsten gehört die Beinachsenstabilisation bzw. Mobilisation und die allgemeine Mobilisation zu einer idealen Trainingswoche. Das machen wir in der Regel in kleinen Gruppen. Hier setzen wir immer einen Schwerpunkt und passen uns auch an die Inhalte des Mannschaftstrainings an. Hinzukommt die Sprunggelenksstabilisation und das schnelligkeitsbasierte Training. Darin finden wir dann auch die Transferleistung auf den Platz. Hierzu gehören nämlich Sprünge, Antritte und Richtungswechsel, die wir im Athletiktraining aber isoliert betrachten. 

Was macht das Athletiktraining in der Hertha BSC Fußball-Akademie besonders?

Wir haben in der Akademie eine klare Vorstellung wie die Ausbildung im sportwissenschaftlichen und athletischen Bereich ablaufen soll. Wir wollen mit unserem Koordinationstraining und dem Kinderturnen im Kleinfeld bereits eine gute allgemeine Grundlage schaffen. Somit kann das Training ab der U15 spezifischer erfolgen und individuell auf die Sportler und deren Niveau angepasst werden. Von der U15 bis zur U23 haben wir in jeder Mannschaft einen Athletiktrainer. In Zukunft wollen wir uns beispielsweise in puncto Monitoringverfahren noch weiter verbessern. Ziel ist es die Spieler so je nach aktuellem Leistungszustand zu trainieren und somit bestmöglich zu betreuen.

Mit einer neuen Sportart zu beginnen oder die intensität des Trainings zu steigern ist nicht immer ohne Risiko. Die AOK Nordost ermöglicht dir durch die Kostenübernahme der sportmedizinischen Untersuchung einen umfassenden Leistungscheck inklusive Beratung zum optimalen Trainingseinstieg. Auch als bereits trainierter Sportler lohnt sich dieser Leistungscheck um Überbelastungen zu vermeiden.