Wie viel Druck tut gut?

Saisonstart - für die Profis und Trainer bedeutet das Leistungen abrufen, in Topform sein aber vor allem: keinen Stress aufkommen lassen. Aber was ist Stress eigentlich, was kann er bewirken und warum sind die Herthaner immer so cool?

Was ist Stress eigentlich?

Ihr kennt es auch: zu viele Termine, zu hohe Erwartungen vom Chef, Partner oder an sich selbst und schon ist es da – das Stressmonster. Es kann reizbar machen, aggressiv, fahrig oder unzufrieden. Auf jeden Fall wissen wir, dass Stress gar kein gutes Gefühl ist und tun alles, um ihn zu vermeiden. Da ist es eine Überraschung, dass das Phänomen Stress eigentlich positiv ist und uns kurzfristig sogar leistungsstärker macht. 

Wenn wir Stress empfinden, wappnet sich unser Körper für eine Bedrohung. Ursprünglich war diese Reaktion beispielsweise für den Angriff eines wilden Tieres gedacht – heute wird sie in Gang gesetzt, wenn wir unter Zeitdruck stehen. Es werden Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin ausgeschüttet. Diese docken an verschiedenen Stellen unseres Körpers an, wo sie Folgendes bewirken.

So wirkt Stress auf unseren Körper 

Herz-Kreislauf-System

Es fließt mehr Blut durch das Herz, es schlägt kräftiger und schneller. Gleichzeitig steigt unser Blutdruck. Im Gehirn und in großen Muskeln weiten sich die Blutgefäße in Händen, Füßen und im Verdauungstrakt wird die Blutzufuhr auf Sparflamme reduziert. 

Gehirn

Das Gehirn fährt bei Stress richtig hoch. Durch die Erweiterung der Blutgefäße wird die Kommandozentrale des Körpers besser mit Sauerstoff versorgt. Alle Sinne sind geschärft, der Körper ist schmerzunempfindlicher. 

Lunge

Die kleinen Verästelungen der Lunge, die Bronchien, weiten sich, um mehr Sauerstoff aufnehmen zu können. Gleichzeitig atmen wir schneller und flacher. 

Muskulatur

Die Durchblutung der Skelettmuskulatur steigt. Diese wird stärker mit Sauerstoff und Energie versorgt. Die Schulter-, Nacken- und Rückenmuskulatur spannen sich an. Reflexe werden schneller ausgelöst.

Stoffwechsel

Bei Stress stellt der Stoffwechsel mehr Energie in Form von Zucker (Glukose) und Fettsäuren bereit. Die Verdauungstätigkeit sinkt, um Energie für die Arbeit der Muskulatur zu sparen. Der Speichelfluss geht zurück, dadurch fühlt sich der Mund trocken an.

Wärmehaushalt

Durch die vermehrte Energieproduktion entsteht Wärme, die über die Haut abgegeben wird. Verstärktes Schwitzen schützt den Körper vor Überhitzung. 

Sexualorgane

Bei Stress sinkt die Durchblutung der Geschlechtsorgane. Der Körper schüttet weniger Sexualhormone aus. Das sexuelle Verlangen geht dadurch zurück. 

Immunsystem

Für kurze Zeit bilden sich unter Stress mehr Abwehrzellen im Blut. So kann das Immunsystem schneller auf Krankheitserreger reagieren.

Konsequenzen von Stress

Stress macht den Körper also vor allem leistungsfähiger und ist somit eine positive Reaktion, die im Alltag, aber vor allem im Sport absolut notwendig ist, denn sie ermöglicht uns über Grenzen zu gehen. Wenn der Stress verflogen ist, setzt das Gehirn in der Regel eine Phase der Erholung und des Ausgleichs in Gang und fährt die Produktion der Stresshormone herunter. 

Gefährlich wird es jedoch, wenn wir dauerhaft unter Druck stehen, denn dann fehlt genau diese Erholungsphase. Und dann macht Stress nicht mehr hellwach und topfit, sondern krank.

Mögliche Folgeerscheinungen können dann Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck führen. Aber auch Diabetes, Störungen des Immunsystems, Verspannungen, Rückenschmerzen, Verdauungsprobleme und Gedächtnisstörungen können sich einstellen. Im schlimmsten Fall wirkt sich der Stress auf die Psyche aus und führt zu Depressionen oder Burnout. 

Wer bei der alten Dame die härtesten Nerven hat und wie du dem Stress aus dem Weg gehen kannst, verraten wir hier. 

 

Bilder: Citypress

Die Zeit scheint zu gerinnen.

Ob du selbst zu gestresst bist, kannst du mit Hilfe dieser Checkliste der AOK überprüfen.